Warum Phileas Fogg seine Wette gewann

ORF 2.Safar 1433 - 27.Dez.2011

 

Die Datumsgrenze verläuft in der Nähe des 180. Längengrads durch den Pazifischen Ozean. Ein Reisender, der die Line von Osten nach Westen überschreitet, ist einen Tag voraus. Wer von Westen nach Osten über die Datumsgrenze reist, gelangt in den vorherigen Tag. Beim Überschreiten der Grenze ist daher das Kalenderdatum zu wechseln.

Die Datumsgrenze soll die Unterschiede in der Zeit ausgleichen, die durch die Rotation der Erde entstehen. Würde ein Reisender an der Datumsgrenze das Datum nicht zurückstellen, hätte er nach einer Erdumrundung 24 Stunden Zeit „erzeugt“, was grundsätzlich nicht möglich ist. Die „Tilgung“ von Zeit bei umgekehrter Reiserichtung wäre ebenso eine Illusion.

So fürchtete Phileas Fogg in Jules Vernes’ Roman „In 80 Tagen um die Welt“, nachdem er um die Welt gereist war, seine Wette verloren zu haben. Doch er hatte nicht bedacht, dass er mit dem Überschreiten der Datumsgrenze in östlicher Richtung auf seiner Reise einen ganzen Tag dazugewonnen hatte.

 

1884 in Washington beschlossen

Zwar erkannten schon die ersten Weltumsegler, wie wichtig eine solche Linie ist. Die Grundlage für die imaginäre Grenze am 180. Längengrad schuf jedoch erst 1884 die Standardzeit-Konferenz in Washington. Sie legte die Lage des Nullmeridians in Greenwich und das System der 24 Zeitzonen zu je 15 Grad geografischer Länge fest.

Damit wurde die Datumsgrenze - also der 180. Längengrad - in ein menschenleeres Gebiet im Pazifik verlegt und kein zusammenhängendes Gebiet zerteilt. Ausserdem wurde der Pazifik seltener durchquert als der Atlantik, entsprechend hatten rund drei Viertel der im 19. Jahrhudnert verwendeten Seekarten den Nullmeridian bereits durch Greenwich eingezeichnet. Auch das US-amerikanische Zeitzonensystem beruhte bereits auf dem Greenwich-Nullmeridian.