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Überall Terroristen

Helmut K. Hauer [mailto:helmut_hauer@aon.at]  Sent: Samstag, 17. Mai 2003 06:58 To: Islam@utanet.at  Subject: Islam = Terrorismus ???

 

 

Guten Morgen,

Saudi Arabien (Riad), Kenya, Casablanca, .... wohin soll das noch fuehren? Ueberall Terroristen. Das ist leider das Erscheinungsbild des Islams heute. Ich weiß, dass die Christen vor mehreren Jahrhunderten nicht besser waren, als die Inquisition herrschte und Hexen verbrannt worden sind, eroberte Voelker mit Zwang christianisiert wurden. Aber heute gibt es die Menschenrechte in der zivilisierten Welt, die Gewaltentrennung, die Trennung von Staat und Kirche ... Der Islam scheint mir heute eine Religion des finsteren Mittelalters zu sein, als das Christentum darniederlag und in Cordoba die Islamischen Wissenschaften bluehten! Wieso dieser Niedergang des Islams zur Terrororganisation? Kommen denn alle Terroristen in den Himmel? Ich wäre gerne noch einmal nach Aegypten gereist, Marokko hat einen gewaltigen Eindruck auf mich gemacht, staunend stand ich in Petra vor den Felsengraebern, und ein Spaziergang in Palmyra waere auch wieder schoen ... Ich habe A n g s t nochmals dorthin zu fahren !!!!!!!!!!!!!!! Was lauft hier falsch? Der hl. Koran spricht anders ! Wohin soll das fuehren?

Viele Buecher berichten ueber Ehren-Morde an Frauen, die bloss ihren Partner selbst waehlen wollten! Helfen Sie mir, bitte, das alles zu verstehen? Ich mag derzeit keinen Muslim auf der Strasse sehen!

 

Mfg H. Hauer

 

 

Sehr geehrter Herr Hauser

 

Vermutlich denken einige tausend Muslime (von ca. einer Milliarde) und auch Angehörige anderer Religionen, dass Terrorakte eine legale Reaktion auf das derzeit andauernde Morden, Rauben und Foltern der USA und Co. sind; mit der Lehre des Islam ist das Töten von Zivilpersonen allerdings nicht in Einklang zu bringen, auch wenn es immer wieder so darzustellen versucht wird. (Die USA nennen das Morden der Zivilbevölkerung bekanntlich Kollateralschäden). Allerdings wehren sich nicht nur Muslime gegen den staatlichen US-Terrorismus wie z.B. in Südamerika deutlich wird.

 

Es ist wahr, dass Muslime direkt in das Paradies gelangen, wenn sie für Islam (also für die Wahrheit) getötet werden. Es gibt auch die Ansicht, dass es nicht Selbstmord sei, wenn sich ein Muslim zum Zweck der Befreiung von den Besetzern in die Luft sprengt, sondern vielmehr ist dies der Märtyrertod. Auf "ungläubiger Ebene" kann die Frage anders gestellt werden: mit welchen Waffen sollen sich denn die Unterdrückten und Beraubten verteidigen, wenn sie keine Armee haben? Sollen sich z.B. die Palästinenser durch Israels Rassisten von ihrem Land vertreiben, enteignen und ermorden lassen? Befürworten sie dies etwa? Wäre dass nicht auch eine Art Selbstmord, wenn sie nichts unternehmen? Solange die Regierung eines anderen Staates  die Verursacher des ganzen Elends (also in dem Fall die Zionisten) in diplomatischen Ehren hält und nicht als Völkermörder behandelt, machen sich diese Regierungen Mitschuld an jedem "Selbstmordattentat", so sehr diese auch abzulehnen sind. Der Islam legitimiert Terrorismus (staatlich oder privat) in keiner Form, doch ist es Dummheit zu erwarten, dass die Terrorisierten, welche nichts außer Elend und Unterdrückung zu verlieren haben, sich selbst als die Terroristen empfinden..

 

Ich verstehe ihre Nostalgie bzgl. Petra usw., doch ist das Verhalten der USA & Co in den jeweiligen Raubzonen noch viel finsterer als das Mittelalter (sie merkten es nur nicht als Tourist). Würden die USA und Co. (früher war es Spanien, England, Frankreich usw.) auf das Rauben und Morden verzichten, wäre das Problem des Terrorismus vermutlich bald unbekannt, doch könnten Sie sich dann die Reise nach Petra vielleicht nicht mehr leisten, da der (westliche) Wohlstand und das Wirtschaftsgefälle durch das Rauben stark begünstigt werden.

 

Es ergibt keinen Sinn, eine Religion durch die Verbrechen ihrer Anhänger ergründen oder verstehen zu wollen; Religionen sind u.a. Anleitungen um das im Menschen schlummernde Böse zu unterbinden - individuell und in der Gesellschaft; eine Religion kann Verbrechen niemals grundsätzlich verhindern. Was Ehrenmord usw. betrifft,  sind dies nichts als Verbrechen welche nichts mit Islam zu tun haben so wie die Morde, welche ständig z.B. von Christen an Christen in Österreich begangen nicht mit der Lehre Jesu (der Friede und Segen Allahs sein auf ihm) etwas zu tun haben; oder auch die "deklariert christlichen" Massenmorde der US-Regierung; wenn ich so denke wie Sie, dann könnte ich keinem Christen mehr auf der Strasse mehr begegnen.

Die Trennung von Staat und Kirche ist bei Priester-Religionen (z.B. röm.kath.) vielleicht sinnvoll; Muslime haben aber weder Priester noch Kirchen, welche von einer Regierung oder einer Gesetzgebung getrennt werden könnten. Aus Islamischer Sicht sind Sozialismus, Demokratismus usw. (nicht deklarierte) Religionen, die in Wahrheit keineswegs säkular sind, da sie ihre (wie auch immer zustande gekommenen Gesetze) über die Gesetze anderer Religionen stellen. Diese Illusion der Unterscheidung von Religion und Nichtreligion und der darauf Ruuhhende Säkularismus, ist ein Konzept der Nichtmuslime, welches Muslime als solches zwar berücksichtigen, niemals aber für richtig halten können. Säkularismus und Islam schließen sich aus.

Unklar ist mir, was sie unter zivilisiert verstehen? und unklar ist mir auch, wie Sie das, den Terrorakten lange vorausgehende Morden und Plündern der USA, Israel und Co. unter dem Deckmantel von Demokratisierung und Menschenrechten verstehen, da die Raubmörder Ihrer Sicht nach die zivilisierten Welt ist. Was früher christianisieren genannt wurde, heisst heute demokratisieren und ist der fanatische Demokratismus. Demokratie verträgt sich mit Islam, doch Islam und Demokratismus schließen einander aus.

 

Statistisch betrachtet, werden heute andere Völker nicht nur mit mehr Zwang und brutaleren Methoden, sondern auch im größeren Masse zu "christianisieren" versucht, als im Mittelalter.

 

 

Mit freundlichen Grüssen

 

Muhammad AbuBakr Müller

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