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 Taßauwuf      

Über den wirklichen Suufi-Weg

 

Das Kapitel Haqiqat -e- Tariqat aus dem Buch Tarbiyyat al-Saalik (Die Ausbildung des Suufi-Reisenden) von Maulana Aschraf `Ali T'hanwi  |  Übersetzung aus dem persischen / Copyright©1998 Dr.Yahya Grassl; All Rights Reserved.

 

  1. Enthüllungen des Verborgenen (kaschf) und Wunder (Karaamaat) sind kein notwendiger Bestandteil des Suufi-Weges.

  2. Für Erlösung am Tag der Abrechnung wird keine Verantwortung übernommen.

  3. Die Lösung von Problemen der diesseitigen Welt (Dunjaa) durch ta`widh (geschriebene Gebetsformel) oder du`aa (Bittgebet) wird nicht versprochen, ebensowenig wie Einkommensvermehrung, Heilung von Krankheiten durch Behauchen [des erkrankten Körperteils nach einem Gebet], oder Vorhersage der Zukunft.

  4. Der Schaikh (Lehrer) verfügt nicht über die Macht, eine automatische Veränderung (tasarruf) seines Schülers zu bewirken; es ist nicht möglich dass ein Schüler durch das tawaddschuh (Projektion spiritueller Kraft) des Schaikhs einen Zustand erreicht in dem er sich nicht einmal bloss vorstellen kann zu sündigen; dass seine Anbetungshandlungen (`ibaadat) ohne eigene Anstrengung automatisch ablaufen; dass sich sein Wissen von Islam und sein Gedächtnis vom Qur'aan von selbst vermehren.

  5. Der Schaikh kann nicht garantieren dafür dass sich ein Schüler in einem ständigen spirituellen Wohlgefühl befindet, oder dass seine Anbetungshandlungen frei von Ablenkungen werden; dass jemand viel weint; oder dass sich im Bewusstsein eine Selbstauslöschung einstellt, sodass jemand nichts mehr von sich oder der Umwelt weiß.

  6. Das Wahrnehmen von Lichtern oder Geräuschen während des Dhikrs (Vergegenwärtigung Allahs) ist nicht nötig.

  7. Das Sehen schöner Träume ist ebensowenig garantiert wie die Gültigkeit von ilhaam (Inspiration).

 

Das wahre Ziel besteht darin, Allah ta`alaa zu gefallen. Wer dies will, soll die Regeln des Heiligen Rechts (ahkaam al-schari`ah) mit seinem ganzen Wesen befolgen. Diese Regeln haben zwei Aspekte: einer bezieht sich auf Äusserliches, wie zum Beispiel das rituelle Gebet, Fasten, HHhadsch, die reinigende Abgabe (zakah) etc., oder Eheschliessung und Ehescheidung, die Rechte der Ehepartner, Schwüre und die Entbindung davon, etc., oder Geschäftstätigkeiten, die Durchführung von Gerichtsverfahren und der Zeugeneinvernahme, Testaments- und Erbschaftsangelegenheiten etc., oder alltägliche Lebensangelegenheiten wie Grüssen, Essen, Schlafen, Aufstehen, Gast und Gastgeber sein, etc. - dieser Aspekt wird durch figh (Gesetzerkenntnis) geregelt.

Der zweite Aspekt bezieht sich auf Innerliches, wie zum Beispiel Liebe zu Allah , Furcht vor Allah , das Eingedenksein Allahs, das Verringern der Liebe zur Dunjaa, die Zufriedenheit mit Allahs Willen, das Vermeiden von Gier, das Vorhandensein von Herzensbewusstheit bei Anbetungshandlungen, die Aufrichtigkeit in der Religion, niemanden zu entwürdigen, Selbstverehrung und Arroganz zu vermeiden, Zorn in Kontrolle zu haben, etc. Diese Einstellungen werden akhlaaq (Perfektionierung von Handlungen) genannt; sie sind der Hauptzweck von suluuk (die spirituelle Reise). Wie im Fall der sich auf Äusserliches beziehenden Regeln ist auch das Befolgen dieser innerlichen Regeln Pflicht (farḍth und waadschib).

................[ein echter Schaikh ist wie ein qualifizierter Arzt, er stellt seinen Schülern Heilmittel zur Heilung der innerlichen Krankheiten zur Verfügung. Dies ist der Hauptzweck der Schaikh-Schüler Beziehung. Das Unterrichten von Dhikr und Dhikrübungen ist von untergeordneter Bedeutung].................

Ein Reisender auf dem Suufiweg hat daher zwei Aufgaben zu erledigen: eine ist Pflicht, nämlich die Regeln der äusseren und inneren schari`ah einzuhalten, die zweite ist mustahabb (verdienstvoll), nämlich einen Zustand von ständigem Dhikr Allahs zu erreichen. Durch Einhaltung der Schari`ah erlangt man Allahs Wohlgefallen, während konstantes Dhikr eine Vermehrung dieses Wohlgefallens und der Nähe Allahs bewirkt. Dies ist es worum es kurzgefasst bei suluuk (der spirituellen Reise) geht.

 

 

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