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Taßauwuf    

Wie man einen echten Schaikh erkennt

 

Das Kapitel Schaykh -e- kaamil ki pehtschaan aus dem Buch Tarbiyyat al-Saalik (Die Ausbildung des Suufi-Reisenden) von Maulana Aschraf `Ali T'hanwi [Anmerkungen in eckiger Klammer stammen vom Übersetzer] Übersetzung aus dem persischen / Copyright©1998 Dr.Yahya Grassl; All Rights Reserved.

 

  1. Im nötigen Ausmass muss er Wissen vom Islam haben [soweit dies für jeden Muslim Pflicht -farḍth- ist; wer weniger weiß ist sündhaft]

  2. In `aqaa'Id (Glaubensgrundsätzen), in Taten und in akhlaaq (Perfektionierung von Taten hinsichtlich des Jenseits) muss er sich im Rahmen des Heiligen Rechts (schar`) befinden.

  3. Er muss frei von jeglicher Lust auf Diesseitiges (Dunjaa) sein; er darf für sich selbst nicht den Zustand von Vollkommenheit beanspruchen, da dies auch eine Abart von Diesseitsorientiertheit darstellt.

  4. Er muss einige Zusammenkünfte (suhbat) mit einem echten Schaikh (shaykh -e- kaamil) verbracht haben

  5. Die gerechten `ulamaa' (Wissensinhaber im Islam) und maschaa'Ikh (Lehrer) seiner Zeit müssen eine gute Meinung von ihm haben [heutzutage sind echte `ulamaa' und maschaa'Ikh selbst in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Ländern eine Rarität. Vernunftvollerweise kann man nicht damit rechnen, so einer Persönlichkeit in einem nichtmuslimischen Land zu begegnen, wo gewöhnlich unter den Muslimen nicht einmal ansatzweise ein Bewusstsein von der Existenz echten Islamischen Wissens und authentischer Umsetzung dieses Wissens in Praxis vorhanden ist].

  6. Mehr als das gewöhnliche [und in Indien analphabetische] Volk soll er die Elite, also intelligente und fromme Leute anziehen.

  7. Die Mehrzahl seiner Lehrlinge muss das Heilige Recht (schar`) befolgen; sie müssen die Verlockungen dieser niedrigen Welt (Dunjaa) vermeiden.

  8. Er kann als Ratgeber und Ausbildnerschaykh seinen Lehrlingen gegenüber mild und nachsichtig sein, wenn er jedoch einen schwerwiegenden Fehler wahrnimmt sollte er in der Erziehung streng sein; es soll nicht so sein dass ein jeder seiner Schüler seinem Willen freien Lauf lassen kann.

  9. Wenn du einige Male in seiner Gesellschaft sitzt solltest du spüren wie die Liebe zur Dunjaa in dir abnimmt und die Liebe zu Allah ta`alaa zunimmt.

  10. Er selbst muss in der Vergegenwärtigung Allahs aufgehen, er muss verkörpern was er propagiert, da kein Segen in einer Lehre ist die nicht in Tat umgesetzt wird.

 

Wenn du so einen Mann findest dann schau nicht darauf ob sich karaamat (Wunder) und Kaschf (Visionen) zutragen oder nicht, oder ob seine Du`aa (Bittgebet) Annahme findet oder nicht, oder ob er mit Tasarruf (die Fähigkeit Veränderung herbeizuführen) begabt ist oder nicht. Solches zählt nämlich überhaupt nicht zu den Notwendigkeiten des Schaikhtums (der Fähigkeit ein Schaikh zu sein) oder von Wilaayat (Nähe zu Allah ). Achte nicht darauf ob er ein extrem starkes Tawaddschuh (Projektion von spirituellem Einfluss) hat, das die Leute zum Tanzen und Herumtollen bringt, oder nicht. Dies ist nicht erforderlich für spirituelle Grösse. Seinem Wesen nach ist so ein Tawaddschuh ein Psychoeffekt (Nafsaani tasarruf) [wie etwa Hypnose] der sich durch Übung steigern lässt. Auch unreligiöse Leute, ja sogar Nichtmuslime können soetwas herbeiführen. Da solche Effekte nicht dauerhaft sind, haben sie keinen spirituellen Wert. Sie mögen vorübergehend zur Ausbildung eines äusserst dummen unbegabten Schülers dienen, der vom Dhikr (Vergegenwärtigung Allahs) zunächst unbeeindruckt ist. Wenn der Schaikh (Lehrer) so jemandem einige Tage lang derartiges Tawaddschuh gibt, kann sich in ihm eine Zugänglichkeit ausbilden und er kann Überzeugung gewinnen von den Effekten des Dhikr. Zu Idiotien und Herumtollerei ist soetwas nicht gut.

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